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Mathias Lin

Selbstständiger Unternehmer in China, Student im Bachelorstudiengang Wirtschaftsinformatik

Mathias Lin

„Das Studienmaterial kommt problemlos per Post nach Hongkong, von dort lasse ich es mir per Kurier nach Guangzhou schicken“, erzählt Mathias Lin. Als ich anrufe, ist es in Deutschland 10 Uhr morgens, in Guangzhou 16 Uhr am Nachmittag. Guangzhou? „Die Stadt ist ungefähr zwei Stunden von Hongkong entfernt“, erklärt der Student im Bachelorstudiengang Wirtschaftsinformatik. Seit drei Jahren lebt der heute 31-Jährige bereits dort und leitet den China-Standort seines Software-Unternehmens. Im Sommersemester 2008 schrieb er sich an der FernUniversität in Hagen ein.

„Nach dem Abitur habe ich zuerst Medieninformatik an der Fachhochschule Wedel studiert und bin von dort an die Uni Hamburg in den Studiengang Wirtschaftsinformatik gewechselt“, schildert Mathias Lin seinen Werdegang. Allerdings war er damals nicht nur Student, sondern bereits auch selbstständiger Unternehmer. Schon während seines Zivildienstes gründete der gebürtige Hamburger eine IT-Beratungsfirma und baute sie in den folgenden Jahren zusammen mit Kommilitonen und parallel zum Studium kontinuierlich aus: „Die Partner wechselten, da sich meine Kommilitonen mehr aufs Studium konzentrieren wollten, das Geschäftsfeld „Software-Entwicklung“ blieb aber immer gleich.

Beruf und Studium an einer Präsenzuniversität miteinander zu vereinbaren, war oft schwierig. „Ich musste z. B. extra zur Uni fahren, nur um ein bestimmtes Skript abzuholen oder mich für ein Seminar anzumelden. Dafür fehlte mir irgendwann einfach die Zeit“, sagt er. Zwei Dinge nur halbherzig zu tun, reichte Lin schließlich nicht mehr. 2002 brach er sein Studium ab und konzentrierte sich auf die berufliche Karriere. Über ein gemeinsames Projekt lernte er seinen jetzigen Geschäftspartner kennen und stieg in dessen Firma ein. „Mein Studium hatte ich aber noch im Hinterkopf. Ich wollte es zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen“, berichtet er.

Vorher kam allerdings China dazwischen. „Ins Ausland zu gehen reizte mich nach meinem High-School-Jahr in den USA 1996 immer noch sehr“, erklärt Mathias Lin. 2005 ergab sich dann die Gelegenheit: „Es war viel im Umbruch. Ich hatte acht Jahre in Hamburg gearbeitet, in der Firma stand ein Umzug in neue Büroräume bevor, wir überlegten, ob wir ein anderes Unternehmen übernehmen sollten.“ Als ihm ein Freund von Hongkong vorschwärmte, zögerte er nicht lange. „Ich packte spontan meine Koffer – es war einfach der richtige Moment.“ Im „asiatischen New York“ begann er mit dem Aufbau des China-Standorts seiner Firma, knüpfte Kontakte und fand neue Kunden. Ein halbes Jahr lebte Lin in Hongkong. Anschließend zog er in die vier Millionen Metropole Guangzhou – auch der Liebe wegen. In Hongkong hatte er seine jetzige Frau kennen gelernt, die in Guangzhou lebt. Die beiden haben heute eine anderthalb-jährige Tochter.

Lin steht am blumengeschmückten Rednerpult vor einer roten Plakatwand. ... und bei einer Vortragsveranstaltung der deutschen Handelskammer in Guangzhou

Die Wirtschaft der Industriestadt boomt, „die Innenstadt ist eine einzige Dauerbaustelle, vom Bürofenster aus sehe ich nur Kräne“, erzählt Lin. Meist ist er zwölf Stunden täglich im Büro, betreut die zahlreichen Kunden, ist verantwortlich für das Entwicklerteam und die Geschäftsentwicklung. Die Wochenenden widmet er seit rund einem Jahr dem Studienmaterial der FernUniversität. „Als es beruflich gut lief, entschied ich mich dazu, mein Studium zu Ende zu machen. Im Internet stieß ich auf die FernUni. Sie bietet einfach das beste Angebot für meine Situation.“

„Die Logistik der FernUni ist optimal – gerade für Berufstätige. Das Material kommt zu mir nach Hause, Einsendeaufgaben schicke ich per Fax zurück.“ Wenn Klausuren anstehen, nimmt sich Mathias Lin immer etwa zwei Wochen Urlaub zur Vorbereitung. Schreiben kann er die Arbeiten im Goethe-Institut in Hongkong. Als Nebenfach studiert er medizinische Informatik – eigentlich ein Nebenfach im auslaufenden Diplom-Studiengang Informatik, das in Kooperation mit der Universität Lübeck angeboten wird. Die Leistungen werden ihm zwar nicht für den Bachelorstudiengang anerkannt, aber „ich erwerbe im Nebenfach wichtige Fachkenntnisse, da ich mich zukünftig auf die Healthcare-Branche spezialisieren möchte.“

Mit Kommilitonen tauscht Lin sich in Online-Foren aus, klärt mit ihnen Fragen zum Lernstoff. „Meine E-Mails an Kursbetreuer oder ans Prüfungsamt werden außerdem immer sehr schnell beantwortet. Das ist vorbildlich“, meint er. Das Lernen neben Vollzeitjob und Familie bis spät in die Nacht nimmt er gerne in Kauf: „Mein Studium ist schließlich eine gute Investition in die Zukunft.“

Gesche Quent | 22.10.2010
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